Költschen

Költschen war eine Gemeinde im neumärkischen Landkreis Oststernberg.
Heute heißt die Gemeinde Kołczyn und liegt im polnischen Landkreis Sulęciński. Költschen liegt ca. 44 Kilometer östlich von Küstrin und ca. 29 Kilometer südwestlich von Landsberg an der Warthe entfernt.

Geschichte

Költschen war kein typisches Kolonistendorf. Der Ort wurde 1251 erstmals als Besitz des Templerordens genannt.
Anfang des 19. Jahrunderts gehörte Költschen zu Teilen dem Waisenhaus in Züllichau, dem Major v. Reizenstein, d. v. Osten und den Erben des Kommandaten. v. Waldow.

Einwohner

Einwohner von Költschen

Anfang des 19. Jahrhunderts lebten fast 400 Einwohner in Költschen, darunter ein Ganzbauer, 19 Ganzkossäten, zwei Büdner, 31 Einlieger und 20 Fischer.

In Költschen lebten hauptsächlich Personen mit evanglischer Konfession. Lediglich 11 Katholiken und 3 Juden leben gegen Ende 1885 im Ort.

Wirtschaft

Költschen verfügte Anfang des 19. Jahrhunderts über 200 Morgen Holz, eine Schmiede, eine Windmühle, ein Armenhaus und eine königliche Torfgräberei. Die erste auf landesherrliche Rechnung angelegte Torfgräberei wurde bereits 1792 angelegt. 1798 stachen 20 Arbeiter fast 900.000 Soden. Der Wert dieser Produktion lag bei ca. 800 Talern. 1852 schien das Vorkommen weitestgehend erschöpft, so dass dieser Torfbruch 1823 wieder eingestellt wurde. Weitere Vorkommen befanden sich in Neuwalde, Hammer, Altona und Reitzenstein. Der gestochene Torf wurde primär zur Kalkbrennerei nach Landsberg an der Warthe gebracht. Weitere Abnehmer waren Küstrin, der Oderbruch und Frankfurt an der Oder.
Auch wenn die staatlich Torfgräberein 1823 eingestellt wurde, förderte Költschen weiterhin Torf. Auch noch 1860 wurden Torfkähne aus Költschen mit Feuerungsmaterial für Landsberg auf der Warthe gesichtet.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts hatte Költschen eine Größe von 1.487 ha, welche aus 391 ha Ackerland, 275 ha Wiesen und 58 ha Holzungen bestanden.

Evangelische Kirche in Költschen

Kirche

Die evangelische Kirchengemeinde umfasste 1905 die Orte Altona, Beatenwalde, Dammbusch, Hammer, Költschen, Neuwalde, Reitzenstein, Scheiblersburg, Streitwalde und Stubbenhagen. Die Kirche steht noch heute auf dem ehemaligen Friedhof in der Mitte des Dorfes. Neben der Kirche steht ein verbretterter Glockenturm aus dem 18. Jahrhundert.

Költschen in der Literatur

Eine gute Quelle für die Neumarkforscher stellen die Mitteilungen des Vereins für die Geschichte der Neumark dar. In diesen erschien 1929 (Jg. 6, Nr. 7/8) folgender Beitrag unter dem Verfasser Wolff:

Die Fischer zu Költschen und die Stadt Landsberg
Költschen im Warthebruch war früher ein echtes Fischerdorf. Nach einem Landkataster wohnten hier am Anfang des 18. Jahrhunders 23 Fischer. Sie waren seit alter Zeit verpflichtet, der Stadt Landsberg alle ihre Hechte und Aale zu verkaufen. Nach 1600 zwang sie die Stadt Landsberg, hinfort auch die kleinen Fische und die Krebse auf den dortigen Fischmarkt zu bringen. Dadurch wurde aber das Sternberger Land geschädigt. Deshalb beschwerte sich der Adel des Landes Sternberg 1612 über die Stand Landsberg beim Kurfürsten. Welchen Erfolg diese Beschwerde hatte, ist hier nicht bekannt.

Quelle:
Berghaus, Heinrich: Landbuch der Mark Brandenburg und des Markgrafenthums Niederlausitz Bd. 1 (1854, S. 255)
Beske, Hans und Handke, Ernst: Landsberg an der Warthe 1257, 1945, 1980 (1980, S.67)
Bratring, Friedrich Wilhelm August: Statistisch-topographische Beschreibung der gesammten Mark Brandenburg, Bd. 3 (1968, S. 283)
Gemeindelexikon für das Königreich Preußen: auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1885 und anderer amtlicher Quellen
Gemeindelexikon für das Königreich Preußen: auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 2. Dezember 1895 und anderer amtlicher Quellen
Gemeindelexikon für das Königreich Preußen: auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1905 und anderer amtlicher Quellen
Heimatkalender Oststernberg (1927, S. 33)
Kubach, Hans Erich: Die Kunstdenkmäler des Kreises Oststernberg (1984. S. 90-94)
Zuverlässige Nachrichten von wichtigen Landes- und Wirtschafts-Verbesserungen - Erster Band" (Stettin, 1778)